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PRIDE IS A PROTEST: Warum wir den Pride Month heute noch brauchen

Vier Wochen lang Regenbogenfarben an Fassaden und Paraden in der ganzen Region. Am Ende des Juni stellt sich unweigerlich die Frage, die auch außerhalb der Community oft diskutiert wird: Braucht es das alles überhaupt noch? Was bringt der Pride Month eigentlich und was hat er bis heute verändert? 

Ein Blick zurück: Was wir erreicht haben 

Wenn man wissen will, was Pride bringt, reicht ein Blick in die Geschichtsbücher. Fast alle Rechte, die queere Menschen heute in Deutschland haben, wurden nicht einfach verschenkt sie wurden auf den Straßen, angefangen beim Stonewall-Aufstand, sichtbar erkämpft. 

  • Entkriminalisierung: Bis 1994 war Homosexualität in Deutschland laut Paragraf 175 strafbar. Der CSD war die Plattform, die diesen Zustand unübersehbar anprangerte, bis das Gesetz fiel. 
  • Die Ehe für alle: Seit 2017 dürfen gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland heiraten. Ein Meilenstein, der ohne jahrzehntelange, laute Sichtbarkeit im Juni und darüber hinaus undenkbar gewesen wäre. 
  • Schutz & Selbstbestimmung: Das neue Selbstbestimmungsgesetz von 2024 (aus Teil 3 der Reihe) zeigt, dass der rechtliche Kampf für Menschenwürde bis heute Erfolge feiert. 

Der Pride Month bringt vor allem eins: Sichtbarkeit. Und Sichtbarkeit schafft Akzeptanz. 
 
Die Kraft der Solidarität 

Dass der Kampf für Gleichberechtigung nie isoliert stattfindet, zeigt eine der faszinierendsten Geschichten der Pride-Historie aus den 1980er Jahren in Großbritannien. Als die dortige Regierung die traditionellen Bergarbeiter durch Minenschließungen in den Ruin trieb und ihre Familien hungerten, gründete sich in London die Gruppe LGSM (Lesbians and Gays Support the Miners). 

Queere Aktivist:innen sammelten auf CSDs und in Clubs tonnenweise Spenden für die streikenden Bergarbeiterfamilien. Sie fingen an, mit Eimern in queeren Kneipen, auf den Straßen in London und beim CSD Geld zu sammeln. Insgesamt kamen so über 20.000 britische Pfund zusammen (was heute inflationsbereinigt weit über 70.000 Euro wären) 
 
Warum? Weil sie wussten, wie es sich anfühlt, vom Staat schikaniert zu werden. Die rauen Kumpel aus den walisischen Dörfern vergaßen diese Hilfe nie. Beim Londoner CSD 1985 reisten plötzlich hunderte Bergarbeiter in Bussen an und führten die Pride-Parade an vorderster Front an. Kurz darauf sorgte die mächtige Bergarbeiter-Gewerkschaft dafür, dass queere Rechte offiziell im Parteiprogramm verankert wurden. Diese Geschichte zeigt: Echte Solidarität bricht die härtesten Vorurteile auf. 

Die Kehrseite: Warum der Kampf nicht vorbei ist 

Trotz aller Meilensteine dürfen wir die Augen vor der Realität nicht verschließen. Der Pride Month ist kein historisches Jubiläum einer längst gelösten Debatte. Er ist bittere Notwendigkeit, denn die Rechte der Community stehen weltweit und auch bei uns wieder massiv unter Druck. 

Die Zahl der queerness-feindlichen Straftaten und Übergriffe auf CSDs ist in den letzten Jahren spürbar gestiegen. Im Netz und in der Politik werden Debatten über die Existenz von trans* Personen zunehmend aggressiver geführt. Rechte, die wir als selbstverständlich erachteten, müssen plötzlich wieder verteidigt werden. Solange Menschen Angst haben müssen, auf offener Straße die Hand ihrer Partner:innen zu halten oder wegen ihrer Identität diskriminiert werden, bleibt der Pride Month das, was er von Anfang an war: ein lauter, politischer Protest. 

Was bleibt, wenn der Juni vorbei ist? 

Der Pride Month bringt uns jedes Jahr die wichtige Erinnerung, dass Vielfalt eine Stärke ist. Aber echter Support, das sogenannte Allyship hört am 30. Juni nicht auf. Wenn die Regenbogenflaggen aus den Schaufenstern verschwinden, kommt es auf den Alltag an: im Hörsaal, am Arbeitsplatz oder in der WG-Küche. 

Indem wir laut werden, wenn diskriminierende Sprüche fallen, indem wir zuhören und den Raum teilen, tragen wir den Geist von Stonewall durch das ganze Jahr. Danke, dass ihr die Reihe in der DigiPrinte verfolgt habt. Lasst uns gemeinsam laut bleiben! 

Autor: Kassandra Fickert

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